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34 Nationen trotzen Jahrhundertregen bei Weltmeisterschaft im englischen Hartpury!

Deutsche Equipe bringt 6 Medaillen mit

 

 

 

 

 

 

 

Die Natur stellte die Organisatoren der Weltmeisterschaft vor schwierige Aufgaben, betrug doch der Niederschlag im englischen Gloucestershire an einem Tag fast drei Mal so viel wie sonst im gesamten Juli. Dabei hatte es ganz vielversprechend begonnen. Die Pferde waren in festen, geräumigen Boxen untergebracht, die Böden auf den Plätzen und in den Reithallen waren top, lediglich die Zweibeiner mussten sich an das einfache "College Ambiente" gewöhnen und einige Abstriche machen.

Nach einem problemlosen Transport durch die Firma Johannsmann ("special thanks" zum Fahrer Mike und zur Beifahrerin Karin), ließ das Training auf sehr gute Leistungen hoffen. Kontinuierlich war eine Steigerung der Pferde im Laufe der Woche zu sehen, so dass wir alle der Eröffnung entgegenfieberten. Am Mittwoch war es soweit, 34 Nationen, mit insgesamt 142 Reitern marschierten in die Hartpury Arena ein. Die Eröffnungsfeier bestach durch kurze Reden, gute Showeinlagen und einem gelungenen "get together" der "Para-Equestrian Family".

Der Donnerstag war geprägt vom "vet check" und der Benennung des Teams. Bis auf eine kleine Anlaufschwierigkeit absolvierten alle deutschen Pferde die Verfassungsprüfung problemlos. Doch ließ die spürbare Spannung erst nach, als durch den Bundestrainer Franz-Martin Stankus die Benennung des Teams bekanntgegeben wurde. Für Grade II wurden Britta Näpel und Angelika Trabert benannt, in Grade III gingen Bettina Eistel und Hanne Brenner an den Start. Die Benennung des Teams ist eine der schwersten Aufgaben bei einem so hochklassigen Event, geht es hier doch nicht nur um die Team-Medaille, sondern in diesem Jahr noch zusätzlich um Startplätze in Hongkong bei den Paralympics im nächsten Jahr.

Der Freitag sollte ein unvergesslicher Tag werden. Es regnete in Strömen, die Plätze wurden zu Seenplatten und die Schmiedin hatte alle Hände voll zu tun. Auch Walmorel, das Pferd von Angelika Trabert, verlor schon auf dem Abreiteplatz ein Eisen.

Unbeirrt von dem waagerecht fallenden bzw. schüttenden Regen und fehlenden Hufeisen, liefen die 3 Pferde aus Grade II nahezu fehlerfrei und überzeugend. Vor allem Steffen Zeibig zeigte mit Waldemar seine hervorragende Form und kam auf den 2.Platz knapp vor Britta Näpel und Angelika Trabert. Auch Karen Schnoor musste wie alle Grade IV Reiter draußen reiten und dem Regen trotzen. Da hatten es die Grade III Reiter doch wesentlich besser. In Grade III starten auch die blinden Reiter, weshalb man wegen der besseren Akustik von Anfang an alle Prüfungen in die Halle gelegt hatte. Also beste Voraussetzungen für die Reiter. Allerdings erwiesen sich deren deutsche Reiter als doch nicht so nervenstark und mussten Punktabzug durch Verreiten hinnehmen. Gerade im Hinblick auf die Teamwertung war das nicht nur für die betroffenen Reiter eine mittlere Katastrophe. Mit denkbar knappen Vorsprung von 0,9 Prozent lag Deutschland dann doch auf dem Silberrang.

Der unermüdliche heftige Regen forderte seinen Tribut:

Das parallel zur Weltmeisterschaft laufende CDI Turnier (ein Grand Prix Turnier für nicht behinderte Reiter) wurde abgebrochen. Die Reiter fuhren meist unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Wenn sie denn dahin kommen konnten...

80 Personen mussten ungewollt im Hartpury College übernachten, da sie nur Autos und keine Amphibienfahrzeuge besaßen.

Der "Principle" (von Hartpury College) persönlich gab am Morgen das Frühstück aus, denn man konnte auf Grund gesperrter Straßen das College weder verlassen, noch konnten es die Angestellten erreichen.

So fanden die Prüfungen an jenem Tag alle "unter Dach" statt, was für das Ambiente sicherlich weniger schön war, aber der Schonung von Ross und Reiter diente.

In Grade II überzeugten die drei deutschen Reiter einmal mehr und mussten sich nur Nicola Tustain (GBR) auf Hot Stuff geschlagen geben (Silber Britta Näpel, Bronze Steffen Zeibig, 4. Platz Dr. Angelika Trabert). Auch in Grade III konnte Hanne Brenner zeigen, dass ihre Stute den Namen "Women of the World" zu recht trägt. Sie ließ bis auf Annika Lykke Dalskov (DEN) die Welt hinter sich und freute sich sehr über die Silbermedaille, wobei der Abstand zur Goldmedaille nur 0,1 Prozent betrug. Bettina Eistel erreichte mit dem ausdrucksvollen, aber noch nicht lange in ihrem Besitz befindlichen Fabuleux Rang fünf. Karen Schnoor hatte in Grade IV als "New kid on the block" mit ihrem Friesen Enova's Merlin die wohl schwierigste Aufgabe. Dem hielten die Nerven nicht stand, so dass sie sich nach einem Verreiten auf Platz 20 wiederfand.

Das Team konnte dank dieser Ritte seinen Vorsprung vor Norwegen ausbauen und erritt mit knapp 17 Prozentpunkten hinter dem Team aus Großbritannien den zweiten Platz (Silber). So freuten wir uns trotz widriger Umstände am Ende über vier Medaillen.

Am Sonntag hatte das Wetter ein Einsehen. Kurze sonnige Abschnitte unterbrachen den Nieselregen. Dank des fabelhaften Bodens waren die Plätze wieder bereitbar, so dass die Veranstaltung wie geplant ablaufen konnte. Karen Schnoor machte mit ihrer neuen Kür den Anfang. Der Friese präsentierte sich gut und gelangte auf Platz 18, was bei dieser Konkurrenz beachtlich ist. So sind viele der Reiter Vollprofis und reiten im Regelsport in den höchsten Klassen.

Als nächstes folgte Grade III. Hanne Brenner zeigte Nerven und ihre Stute reflektierte dies mit Spannungen. So konnte das Paar ihre anspruchsvolle Kür nicht in der möglichen Harmonie zeigen und platzierten sich auf dem 3. Rang hinter dem sehr fein reitenden Simon Laurens (GBR) und der technisch fast perfekten Debbie Criddle (GBR). Bettina Eistel lag nur ein Prozent hinter Bronze und kam mit 72,552% auf den 6. Platz

Den Anfang in Grade II machte Britta Näpel. Sie ritt hochkonzentriert und nahezu fehlerfrei an Nicola Tustain (GBR) vorbei auf Platz eins der laufenden Wertung. Unsere sehnlichst erwartete Goldmedaille kam in greifbare Nähe...

Angelika Trabert war die 2. Deutsche Reiterin, die mit einer etwas müden Walmorel und den selbst gesteckten Erwartungen zu kämpfen hatte. Dies ließ sie letztendlich ein Pflichtelement vergessen, was das Paar auf Platz 13 brachte.

Tja, und nach Steffen Zeibig's schwungvollen und harmonischen Ritt waren wir uns gar nicht mal so sicher, ob nicht die Medaillenfarbe bleiben und nur der Träger wechseln würde. Doch die Richter entschieden anders und so kam Steffen "nur" auf den 5.Platz.

Bei der Siegerehrung erhielt eine strahlende Britta Näpel die Goldmedaille aus den Händen der Präsidentin der FEI (Federation Equestre International) HRH Princess Haya Bint Al Hussein, die mit ihrer Anwesenheit und ihrer ergreifenden Schlussrede der Veranstaltung einen besonderen Stellenwert gab. Es zeigte uns, dass wir nun tatsächlich als 8. Disziplin zur FEI gehören.


Das Erklingen der deutschen Nationalhymne entschädigte uns für viele Mühen und Strapazen, die den Weg zu einer Weltmeisterschaft begleiten. Eines wurde uns allen klar: diese Hymne wollen wir in Hongkong öfter hören!

Dr. Angelika Trabert und Hanne Brenner, 26.07.2007



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